Schon seit geraumer Zeit können Leser auf Facebook einen Zwist bei den Kölner Bartmännern verfolgen. Unter den Mitgliedern des Vereinsvorstandes kam und kommt es immer noch zu teils heftigen, teils persönlichen Auseinandersetzungen über die Führung, Aktivitäten und Ziele des Vereins. Im August erschien ein Bericht in der Zeitung RiK. Nun wird der Streit zum Teil auch rechtlich ausgefochten.

Dabei geht es nach den Worten von Vorstandmitglied Ingo Tönges vor allem um die Abgrenzung privater und geschäftlicher Interessen, denn die zentralen Partys beim Kölner Bear Pride ("Bears and Beard" und "Pipe") werden nicht wir früher vom Verein, sondern von Gesellschaften der Vorstandsmitgleider Frank Castiglione und Gianni Vitale ausgerichet.

Wie oft sind solche Auseinandersetzungen für Außenstehende unverständlich. Deshalb hat das Magazin BOX die Mitglieder des amtierenden Vorstandes (Frank Castiglione, Gianni Vitale und Ingo Tönges) gebeten - in der Zwischenzeit wurde versucht, einen neuen Vorstand zu wählen, der aber durch ein Eintragungsghindernis bislang rechtlich nicht gültig ist - , einige Fragen zur Klärung zu beantworten. 

Ob dies zur Klärung beiträgt, liegt im Auge des Lesenden.


Ingo Tönges gehört/e dem Vorstand des Bartmänner Köln e.V. an, er antwortete für seine Seite. 

BOX: Erklärt doch bitte aus eurer Sicht in kurzen Sätzen, worum es bei diesem offen ausgetragenen Streit im Kern geht?

Ingo Tönges: Ich kann mich hierbei nicht des Eindrucks erwehren, dass hier von 4 Personen (2 Pärchen) der Versuch unternommen wird, sich die Bartmänner Köln e.V. komplett einzuverleiben, um damit ihre privaten Geschäftsinteressen (Partys, Bar und Mr. Bear Europe-Wahl) zu verfolgen.

Da die Fakten eine deutliche Sprache sprechen, wird in der Öffentlichkeit gegen mich gehetzt und gelogen, was einer Hetzjagd gleicht. Beklatscht werden diese Verleumdungen von ihrem „Hofstaat“. Allen gemein ist, dass sie wie die Lemminge den Aussagen der beiden Pärchen glauben, ohne Einblick in die wahren Vorfälle zu haben, und ohne sich weitergehend mit dem Vereinsrecht zu beschäftigen. Anscheinend lautet hier das Motto: „Der Überbringer der schlechten Nachrichten ist ein Nestbeschmutzer!“.

Ich sehe mich in dieser Angelegenheit – etwas zugespitzt – als der letzte Aufrechte bei den Bartmännern Köln, der dieser „Übernahme“ im Weg steht. Ich hätte nie gedacht, zu was die beiden Pärchen fähig sind, um ihre wohl hier im Vordergrund stehenden Geschäftsinteressen durchzusetzen!

 

BOX: Wie steht es um den Kölner Bärenverein, um Veranstaltungen, Partys und die Bärenszene in Köln?

Ingo Tönges: Aus meiner Sicht sehr schlecht! Alles, was für mich einen Verein ausmacht, ein Vereinsleben, das gibt es nicht mehr. Keine Freizeitaktivitäten - wie das Rudelgucken der Kölner Lichter oder eine Bären-Schlauchbootfahrt auf dem Rhein - kein Stammtisch (erst Recht nicht außerhalb ihrer Bar) oder sonstige Aktivitäten! Ich habe das Gefühl, es werden aktuell nur noch die Events veranstaltet, mit denen die 2 Pärchen auch privat Geld verdienen können. Für mich fehlt es an der notwendigen Transparenz zwischen den Tätigkeiten, die besagte 4 Personen privat machen, und denen, wo sie als Vereinsvorstand bzw. -mitglieder agieren.

Hier findet für mich eine unzulässige Vermischung statt, wie z.B. im Januar 2019 mit der Bekanntgabe ihres neuen Treffens „Spring Bears Cologne“. Das können sie natürlich gerne privat organisieren, allerdings ist für mich diese Verquickung aus Vereinssicht mehr als fragwürdig. Genau das habe ich via Facebook kritisiert, und daraufhin wurde ich von meinen Vorstandskollegen als Admin aus allen Bartmänner-Gruppen entfernt. Personen, die im Weg stehen, werden so auf die eine oder andere Art „entsorgt“, und das wohl nur, um hier private Geschäftsinteressen ungestört zu verfolgen.

Über viele Jahre wurden Personen vergrault, weil nach meiner Auffassung hier zunehmend private Geschäftsinteressen mit dem Verein verquickt wurden. Dies wurde bereits auf verschiedenen Mitgliederversammlungen kritisiert, pikanterweise traten meine beiden Vorstandskollegen erst im Frühjahr 2018 genau deshalb zurück.

 

BOX: Der Leser und der Besucher der Events fragt sich, welche Auswirkungen dieser Streit für ihn hat? Und sollte es ihn überhaupt interessieren? Sind Veranstaltungen und Events in Gefahr?

Ingo Tönges: Ja, es sollte die Community interessieren. Aber ich bin da Realist genug, um festzustellen, dass es kaum einen interessiert. Alle möchten Party machen, und neue Kerle kennenlernen. Ob das im Hintergrund mit rechten Dingen (Vereinbarkeit mit dem Vereinsrecht und anderen Gesetzen) zugeht, ist dem Besucher egal.

Wegen der aus meiner Sicht unzulässigen Verquickung von Vereins- und privaten Interessen müsste der Bear Pride Cologne 2019 eigentlich abgesagt werden. Das wäre für die Besucher natürlich keine schöne Nachricht! Erst nach dem Abschluss aller derzeit bzw. vielleicht noch zukünftig folgenden (straf-)rechtlichen Verfahren kann nach meiner Überzeugung ein Neuanfang für die Bartmänner Köln e.V. erfolgen. Aber es wird einfach weitergemacht, als wenn nichts vorgefallen ist.

 


 

Für die anderen Mitglieder des Vorstandes antwortete Gianni Vitale.

Vielen Dank Euch für das Interesse diese Thematik aufzubereiten und das Ihr uns die Gelegenheit gebt, Stellung zu beziehen.

BOX: Was ist bei den Kölner Bären los ?

Gianni Vitale: Diese Frage würden wir gerne anders formulieren. Nicht „Was ist bei den Kölner Bären los?“ sondern „Was ist in der Kölner Community los?“
In erster Linie betrachten wir uns als einen kleinen Teil der gesamten LGBTQ+ Community und nicht als eine eigene oder in sich geschlossene Gruppe. Das zeigt u.a. auch die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Rheinfetisch e.V., zB beim CSD.

Unser Beitrag für die Kölner Community ist seit Jahrzehnten die Organisation der *German Bear Pride Cologne*, eines der international bekanntesten Bärenevents mit der jährlichen Wahl zum *Mr Bear Germany*.

Seit 2017 bekommt der gewählte Mr Bear Germany sogar die Möglichkeit an der *Mr Bear Europe*-Wahl teilzunehmen. Auch dieses europäische Bärenevent ist in Köln „geboren“ und strahlt weit über Köln hinaus in die europäische Bärencommunity. Hier arbeiten die Organisatoren freundschaftlich mit Bärenvereinen aus ganz Europa zusammen, das jeweilige „Siegerland“ richtet immer die nächste europäische Misterwahl aus, so daß die europäische Bärencommunity noch enger zusammenrückt.

Also lautet kurz gefasst die Antwort: Die Bartmänner Köln haben viel ins Rollen gebracht und eine Menge Positives für die Kölner Bären erreicht! Darüber freuen wir uns sehr.

 

BOX: Worum geht es im Kern über diesen Streit ?

Gianni Vitale: Auf Befindlichkeiten einzelner Personen konnten wir keine Rücksicht nehmen, da für uns die Bärencommunity immer im Vordergrund steht. Für einen kleinen Verein ist die Organisation eines solch großen, internationalen Events ohne Unterstützung nicht zu stemmen. Das finanzielle Risiko zB, welches natürlich immer mit solchen Unternehmungen verbunden ist, könnte der Verein gar nicht tragen. Zu unserem Bedauern hat das zu Unstimmigkeiten im alten Vorstand geführt und diese wurden - ohne Absprache und ohne Not - von einem ehemaligen Vorstandsmitglied in die Öffentlichkeit getragen.

 

BOX: Wie steht es um die Kölner Bartmänner, um Veranstaltungen, Partys und die Bärenszene in Köln ?

Gianni Vitale: Die Bartmänner Köln e.V. sind ein sehr kleiner Verein, aber voller Energie und Motivation. Veranstaltungen und Parties haben selbstverständlich den gleichen Stellenwert wie in den Jahren zuvor. Schon bei den CSD-DemoParaden in diesem Sommer hat sich gezeigt, wie wunderbar die Bärenvereine kooperieren. Unsere Fahne von *Bären gegen Rechts*, übrigens auch eine Initiative eines, des *Mr Bear Germany 2017*, war in Leipzig, Berlin, Hamburg, Essen und Köln vertreten. In Köln zB haben über 50 Teilnehmer mit dem „Bärenfahnenwald“ Sichtbarkeit gezeigt mit Unterstützung vieler Freunde und europäischer BärenSchärpenträger.

In diesem Jahr gibt es außerdem eine Besonderheit bei der *Bear Pride Cologne 2019*. Die Bartmänner Köln feiern 35 Jahre Kölner Bärencommunity. Zu diesem Zweck wird das Programm der BearPride zeitlich verlängert, nämlich vom 20.11.2019 – 25.11.2019. Außerdem kehren wir mit der Veranstaltung zur *Mr Bear Germany*-Wahl wieder in die tolle Essigfabrik zurück, die uns letztes Jahr ja leider nicht zur Verfügung stand.

In Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern werden wir in diesem Jahr noch mehr Veranstaltungen anbieten können als zuvor. Die Vorbereitungen sind im vollem Gange.
Die Besucher fragen sich, welche Auswirkungen dieser Streit hat?

Unserer Ansicht nach war und ist nicht zu erkennen, dass der angebliche „Aufruhr“ in Köln oder gar über Köln hinaus überhaupt stattgefunden hat, geschweige denn wahrgenommen wurde. Das zeigen uns auch die vielen Anfragen im Vorfeld zur BearPride und das große Interesse am Ticket-Vorverkauf. Wir dürfen wieder Gäste aus aller Welt begrüssen.

 

BOX: Sind Veranstaltungen und Events in Gefahr ?

Gianni Vitale: Klares Nein! Es besteht keine Gefahr für die *Bear Pride Cologne 2019*, die Veranstaltungen und die Angebote der Kooperationspartner.

Der Vorstand der Bartmänner Köln, seine Helfer und die Kooperationspartner versprechen und freuen sich auf einen reibungslosen Ablauf und wünschen viel Spass bei unserem Jubiläumsevent unter dem Motto *THIRTYFIVE*.

 


Der Bartmänner Köln e.V., er existiert seit 1993. Es ist der Kölner Bärenverein, der den Bear Pride Cologne ins Leben rief.