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Als ich dich das erste Mal bei der Schiffstour der Kölner Bären auf dem Boot auf dem Rhein sah, dachte ich: Alles als Kerl, nur kein Bär. Wie kommt es zu diesem Widerspruch?
Ist da was falsch an der (Bären)Szene, die bestimmte Stereotypen zelebriert, oder an mir, der diese Denke übernimmt?

Das Bild des behaarten und beleibten Bartträgers hat sich stark etabliert. Die meisten haben diese Vorstellung und daran ist nichts falsch an sich. Es gibt jedoch eine ganze Bandbreite an Typen, die sich auch zur Bärenszene per se dazuzählen würden. Aus diesem Grund gibt es ja quasi auch Sub-Bezeichnungen wie Otter, Wolf, Muscle-Bär ...


Wie kamst in diese Bärenszene? War es die Vorliebe für bestimmte Männertypen oder eher die eigene Ansicht und der Versuch, eine „Heimat“ zu finden?


In der Bärenszene bin ich erst konkret seit letztem Jahr aktiv. Ich muss zugeben, dass Männer mit Bart mein Beuteschema schon immer waren. Dementsprechend war ich lose quasi schon immer in dem Umfeld zu Gange. Bedingt durch Facebook, Freunde in Frankfurt, Unshaved in Berlin und natürlich auch European Bear Week in Köln, fühle ich mich in der Tat in der Szene daheim. Es ist immer wie ein großes Treffen von Freunden, die man von einem anderen Event oder Facebook her kennt. Die Leute sind sehr offenherzig, freundlich und die Chemie passt einfach.


Wenn du zurück denkst, haben sich da die Vorstellungen und Erwartungen von damals erfüllt, oder kam es ganz anders?


Also meine positiven Vorstellungen haben sich auf jeden Fall erfüllt. Eine gewisse Zusammengehörigkeit existiert und es macht Spaß, meine Freunde wieder zu sehen. Irritierend ist nur, wenn man von Dritten (so mehrfach passiert auf dem CSD Köln 2017) als ich bei den Bartmännern Köln mitgelaufen bin, angesprochen wird, dass man kein Bär sei und kräftig zulegen müsse (primär von Lesben oder haarlosen End-Teenagern). Akzeptanz ist intern mir gegeben über mehr da als von extern vorhanden.


Was war dein erstes prägendes Erlebnis, das du mit der Bärenszene verbindest?

interview robert 01
Meine allererste Bärenparty war in Frankfurt und ich kannte die Gastgeber nur über Facebook und bedingt durch ihre coolen T-Shirts. Als ich sie dann dort richtig erleben durfte, gab es gleich eine richtige Herzlichkeit. Als die Party dann vorbei war und ich 2 Stunden hätte auf den Zug warten müssen, haben sie einen irren Umweg gefahren, um mich zu meinem damaligen Zuhause zu bringen. Ich bin mit beiden jetzt in Realitas befreundet und freue mich immer riesig, sie auf Bärenveranstaltungen zu sehen.

Welche Bärenevents hast du bislang besucht und erlebt? Gibt es einen unter diesen, der dir besonders gefällt?


Bears and Beats (Frankfurt), Bear Summer (Berlin), Unshaved (Berlin), Bärenpaadiie XXL (Hamburg), Bäraoke: Wild Thing! (Berlin), Easter Bear Dance (Berlin), European Bear Week (Köln), Bears & Beard Party (Köln), Pipe (Köln), Bear Cruise (Köln), Tanz in den Mai / Gentle-Bears (Köln), Berliner Bear Brunch (Berlin), Bärenfahnenwald beim CSD Köln (Köln)
Ich habe Facebook Freunde zum ersten Mal getroffen, Freunde wiedergesehen, viel Eye-Candy, einfach eine relaxte Zeit.
Unshaved ist für mich das beste Format und es ist wirklich eine Party, die mit viel Liebe gemacht wird. Die Leute sind ein guter Mix. Ich geh jedesmal sehr gern hin.

Du wohnst in München. Wie erlebst du die Bärenszene dort? Bei welchen Aktivitäten oder Locations bist du zu finden?


Ich muss zugeben, dass ich bis aufs Edelheiss (Kneipe im Glockenbachviertel) noch nicht viel mitgemacht habe. Will ich aber ändern.



Engagierst du dich in Gruppen oder Zusammenhängen der Bärenszene? Sind Gruppen überhaupt noch notwendig?


Ich helfe etwas aus bei der Unshaved und ansonsten engagier ich mich für Freunde, um ihre Aktionen zu unterstützen.
Gruppen sind notwendig, um reguläre Treffs zu ermöglichen und unabdingbar für die Organisation von Veranstaltungen.

Wie erlebst du die Reaktionen auf die Bärenszene oder wenn du davon redest, außerhalb dieser?


Ich muss zugeben, dass ich außerhalb recht wenig mich darüber unterhalte. Wenn, dann primär über Freundschaften und erfreuliche Treffen.

Es gibt ja das gängige Vorurteil: Dick, alt, langweilig, was man in der allgemeinen Szene oft hört. Was sagst du darauf?


Es ist doch schön, wenn jemand mental in Klischees verharren will. Toleranz und Akzeptanz sind ja auch Fremdwörter, da ist es verständlich, dass, wenn man sie nicht kennt, diese auch nicht lebt.

Was geht dir in der Bärenszene gegen den Strich?


Teilweise isolatorisches Verhalten.

Was empfindest du als unangenehm oder gar störend?


Teilweise ignorantes Verhalten gegenüber nicht „Klischee-Bären"

Wie tolerant ist die Bärenszene anderen gegenüber?

Die meisten sind sehr tolerant. Es gibt jedoch eine Zahl von „Mitgliedern“, die sich quasi gegen die anderen abschirmen wollen.
Ist man zu dünn oder zu muskulös, wird man schräg angeschaut (ist aber nicht die Mehrheit, sondern eine Minderheit)