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homochrom und Bartmänner Köln präsentieren zur Bear-Pride-Woche den Film „BearCity 2: Der Antrag“ am 01.12. um 16:00 im Filmforum NRW. Zu Gast wird auch Regisseur Doug Langway sein. BOX sprach mit ihm sowie den beiden BearCity-Darstellern Stephen Guarino (Brent) und Gerald McCullouch (Roger).

Doug, 2010 schriebst du „Bearcity“, führtest Regie und mach- test den Schnitt. Er hatte ein kleines Budget, aber großen Erfolg über die Bärenszene hinaus. Wie kamst du in die Bärenszeneund deckt der Film wirklich die ganze Vielfalt dort ab?


Doug: Ich war sehr erfreut, wie die Zuschauer weltweit den ersten Film aufgenommen haben. Es war eine sehr persönliche Geschich- te, die aus Freundschaften wie auch der Szene gewachsen ist. Ich glaube, viele konnten sich in die emotionalen Bögen eines jeden Charakters einfühlen.


Ich hatte das Glück, seit ihrem Aufkommen Teil der Bärenszene zu seinundsiewachsenzusehen.EsbegannalsOrt,womaneinfach ausatmen und eine gute Zeit haben konnte. Im Kern hat die Bären- gemeinschaft das noch und wird es wohl auch immer.


Als Mann, der schwere, haarige Männer attraktiv findet, war es wun- dervoll unter Menschen zu sein, die ein vom Mainstream abweichen- des Schönheitsideal wertschätzten, an einem Ort, wo große, haarige Kerle sich attraktiv fühlen und sie selbst sein konnten. Als 20-Jäh- riger war es berauschend, dass die großen Typen, die gewöhnlich befangen in der Ecke eines Clubs standen, in einer Bärenbar stolz ihren Körper zeigten.

 

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Du siehst wie ein Bären-Prototyp aus: etwas massiger, bär- tig, haarig. Was ist deine Bären-Definition und fühlst du dich wie einer?


Doug: Mir wurde gesagt, ein Bär ist mindestens zwei von diesen drei: schwer, haarig, männlich. Andere sagen, es wäre Einstellungssache: Fürsorge sowie sich selbst und andere zu akzeptieren. Für mich ist das alles um die Idee gewoben, dass Schönheit ein breiteres Konzept ist als das des Mainstreams.

 

EsgibtvieleUntertypen:Muskelbären,Chubbys,Otter,Jung- bären, Jäger... Macht das die Bärengemeinschaft wirklich weniger wertend und aufgeschlossener?

 

Doug: Ich glaube, jede Gemeinschaft, die einen Grad von Akzeptanz und Unterstützung erreicht, wird sich schließlich darum drehen, was sie persönlich attraktiv findet. Und bei einer gewissen Größe teilt sie sich in Subkulturen auf. Ist das gesund? Natürlich... solange alle respektieren, dass die Gemeinschaft auf Akzeptanz gegründet ist, und nicht aufeinander pinkeln, um ihren Selbstwert zu steigern. Ich finde, dass wenn du Muskelbären nicht wie ein Stück Fleisch behandelst, können sie charmant und interessant sein, genauso wie große Kerle, Jäger und alle dazwischen. Jeder möchte mit etwas Re- spekt und ohne Vorurteil behandelt werden.

Stephen, du hast mehrere Shows erschaffen, eine wurde von Rosie O‘Donnell produziert. Ich habe dich sogar in „Shopaholic“ erkannt – aber nur nach „BearCity“. Wie hat sich dein Leben seit 2010 verändert?


Stephen: Jetzt denken alle, ich würde für nur 30$ am Tag arbeiten! Im Ernst, ich hatte keine Ahnung, wie lohnend ein schwuler Film und die schwul-lesbischen Festivals sein können. Das erste Jahr mit „BearCity“ war eins der besten meines Lebens. In der normalen Filmwelt kann man nicht so viel Profil zeigen.


Ich war in einigen TV-Sendungen und -Filmen, aber es stimmt, mein „Ruhm“ kommt entweder von „Happy Endings“ auf ABC oder „Be- arcity“ – vielleicht, weil ich in beiden einen zum Schreien bitteren Schwulen spiele, den man nicht übersehen kann. Ich hätte nie ge- dacht, dass ein Independent-Film mein Ticket zum Glamour sein würde, aber tatsächlich hat „BearCity“ mich auf mehr Partys, in mehr Länder und mehr in die Aufmerksamkeit gebracht als irgend- etwas im TV.
Liegt wohl daran, dass die Bären eine gut organisierte Gruppe sind, die gut zu ihren Mitgliedern ist.

Letztes Jahr habt ihr „BearCity 2“ gedreht, mit derselben Besetzung wie beim ersten Film sowie einigen neuen, aufregenden Darstellern. Gerald, du übernahmst diesmal auch die Ko-Produzentenrolle. Was genau musstest du tun?

Gerald McCullouch: Ich hab nicht nur dabei geholfen, Geld aufzu- treiben, sondern habe Doug auch stark unterstützt. Wir mussten bei diesem Dreh ziemlich vieles jonglieren und hatten einen ehrgeizigen Drehplan. Die anderen Produzenten am Set und ich koordinierten die Darsteller und Crew, einen großen Umzug und zwei Basislager. In den ersten zwei Wochen drehten wir in Provincetown und dann zogen wir mit mehr als 50 Leuten in weniger als 48 Stunden nach New York City für den zweiten Teil des Drehs. Wir mussten zwei Hurrikans und viele andere unvorhergesehene Hindernisse überstehen. Ich glaube, das ganze Team stimmt zu, dass der zweite Film den ersten übertrifft.

In den letzten Monaten gab es erste Festivalaufführungen von „BearCity 2“. Was können die Zuschauer erwarten und wie waren die Reaktionen bisher?


Doug: Die waren wunderbar. Er hat den Nerv des Publikums getrof- fen. Ich hatte Leute weinend in meinen Armen, mir dankend, dass ich an die Liebe glaube. Es war eine sehr bewegende und erfüllende ErfahrungalsFilmemacher.EinMannsagte,erwillesseinemVater zeigen, damit er versteht, was in ihm vorgeht. Darauf war ich sehr stolz. Aber hauptsächlich könnt ihr erwarten, euch zu amüsieren und euch weglachen.

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Wie steht ihr zur Fortsetzung und ihrem etwas ernsteren Ton?

Gerald: Obwohl ich von Anfang an wusste, dass Doug eine Fortset- zung im Kopf hatte, übertreffen seine Geschichte und die Reise, auf die er die Charaktere schickt, meine Erwartungen. Und auch wenn er einen ernsteren Ton haben mag, ist es immer noch ein wahnsinnig komischer Film.


Ich war schon bei einigen Vorführungen und das tosende La- chen, dass ich bei jeder gehört habe, das bekommen nicht vie- le Filme. Und die Zuschauer zu beobachten, wie sie von un- kontrolliertem Lachen zu Tränen wechseln, ist belohnend. Stephen: Ich fand ihn eigentlich gar nicht so viel ernster, sondern zelebrierend und amüsant. Die Ernsthaftigkeit ging mehr um tiefe Liebe. Teil 1 handelte mehr von gesellschaftlichen Standards und Gesundheit. Das kommt mir viel ernster vor.

Der Kern von „BearCity“ war Beziehung. Wie der Titel schon sagt, ist schwule Ehe das Hauptthema des zweiten Teils. Das ist eingroßesThemainderPolitikweltweit.FrankreichsPräsident Hollande will die Ehe öffnen, die deutsche Kanzlerin ist dagegen. Glaubt ihr, euer Film liefert neue Argumente in der Diskussion? Ist euch das Thema wichtig?

Stephen: Neue Argumente? Wahrscheinlich nicht in einem schlauen politischen Sinne, aber wir zeigen Normalität: Ehe braucht ernstes Erwägen, Entscheiden, Besonnenheit, Segen usw. Alles, was wir tun konnten, ist, es ähnlich zu Heteropaaren darzustellen, dass Ehe nötig, intensiv, monumental ist. Ob erlaubt oder nicht, wir haben es nicht als einfache Entscheidung hingestellt und das muss auch der Rest der Welt lernen. Also Scheiß auf konservative Berühmtheiten in ihrer fünften gesetzlichen Ehe! Natürlich ist mir das wichtig. Das ist das große Thema meiner Generation. Wie aufregend! Verdammte deutsche Kanzlerin!


Doug: Ich wollte einen Film machen, der respektiert, was Liebe ist und wie das mit Ehe in Verbindung steht. Das Recht zu heiraten ist ein wichtiger Teil von Liebesangelegenheiten, aber nicht Liebe selbst. Für mich ist es weniger ein Vertrag zwischen zwei Menschen als vielmehr ein Vertrag zwischen einem Paar und der Gesellschaft, um zu gewährleisten, dass die Gesellschaft die Erklärung beider Leute anerkennt, ihr Leben gemeinsam verbringen zu wollen. Ich kannte zu viele Paare, die ein gemeinsames Leben aufgebaut hatten, das ihnen weggenommen wurde, als einer von beiden verstarb und die Familie stürzte herab ohne Respekt für die Verpflichtung und Bindung, die eingegangen worden war. Gesetzliche Ehe ändert das. Ehe ist eine tolle Grundlage für ein sich liebendes Paar, ein Leben zusammen aufzubauen, und die Zeremonie ist eine tolle Erfahrung, diese Reise zu beginnen.


Gerald: Ich denke, der Film hat etwas Einzigartiges und Mächti- ges über viele Themen zu sagen. Neben der Gleichstellung der Ehe werden auch schwule Beziehungen – Freundschaft, verbindliche und unverbindliche sexuelle Beziehungen genau wie zwangloses Abschleppen – angesprochen. Genauso die Hürden des Älterwerdens in der schwulen Szene, unsere Körperwahrnehmung, HIV-Status und die Vielfalt und Spannung in der Bärengemeinschaft.


Familie ist ein wichtiges Thema, sich selbst und dem eigenen Weg als Schwuler treu zu sein. Vieles davon ist mir wichtig. Dass Dougs Dreh- buch ihnen allen eine Plattform gibt, war einer der Gründe, warum ich leidenschaftlich gern die Produzentenrolle übernommen habe.

Mit „BearCity 2“ soll ein alternativer Vertriebsweg auspro- biert werden. Könnt ihr darüber reden?

Doug: Unser Plan ist es, ihn zur selben Zeit im November weltweit verfügbar zu machen, in mehreren Sprachen [d.h. Original mit ver- schiedensprachigen Untertiteln; BOX]. Wir glauben, dass wir illegale Downloads reduzieren können, wenn wir ihn zugänglich, leicht ab- zurufen und erschwinglich machen. Filme zu drehen ist eine teure Kunstform und wir brauchen die Unterstützung der Szene, um weiter- hin qualitative Geschichten für die Leinwand produzieren zu können. Wir hoffen, dass in dieser Weihnachtszeit jeder auf bearcity2.com geht und den Film unterstützt.

Ich habe vom Produzenten Jim Lande gehört, dass ihr über einen dritten Film nachdenkt. Wie weit sind eure Pläne und wo- rum wird es gehen?


Doug: Ich bin ein Krieg-der-Sterne-Kind. Eine Trilogie hat mich ge- reizt, schon als ich den ersten Film schrieb. Ich kann noch nicht sagen, wovon er handeln wird, aber ich kann so viel verraten, dass es ein großer Spaß sein wird, ihn zu machen. Wir versuchen, im Zeitplan zu bleiben mit der Veröffentlichung 2014. Ich denke an: „BearCity 3 in 3D: Rückkehr der Bäuche“! Ich mache nur Spaß!

Was ist euch sonst noch im Leben wichtig, die Bärenszene, die BearCity-Filme und alles andere Bärige ausgenommen? Habt ihr manchmal den Eindruck, dass zu viel Bär in eurem Leben ist?

Stephen: Mit dem letzten Teil hast du den Nagel auf den Kopf ge- troffen. Ich bin gelegentlich ausgebärt. Sie haben eine verdammte Party für alles! Ich liebe die Filme, die Szene, die sind großartig. Ich werde Teil davon bleiben, so lange wie sie mich wollen. Ich bemühe mich, in meiner Karriere vorwärts zu marschieren, zu reisen und Teil von Größerem zu sein. Diese Filme haben das für mich getan... Gerald: Ich unterhalte einen ziemlich vielfältigen Lebensstil und Freundeskreis. Zu viel von irgendwas wird mir schnell unnötig. Ich bin ein rastloser Mann. Das Leben ist zu kurz und die Welt zu groß für Eintönigkeit.

Das stimmt. Deswegen ist es schön, dass die BearCity-Reihe alles andere als eintönig ist. Wir danken euch und freuen uns da- rauf, Doug zur Bärenwoche in Köln persönlich kennen zu lernen.