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Der BearPride 2016 dürfen die Kölner Bartmänner wieder als gelungene Veranstaltung verbuchen. Mehr Zuspruch und Besucher als in den letzten Jahren, volle Saunen, Kneipen und Partys.
Die Mr. Bear Wahl wirkte durch die souveräne Präsentation dank der Moderatoren professionell im Ablauf. Die neuen Bären-Awards sind eine sinnvolle Ergänzung zur Mr. Bear Germany und Mr. Bear Internet Germany Wahl. Die Gewinner, die Bärenpaddie XXL in Hamburg als beste Bärenparty, das Woof Berlin als beste Bärenbar und die Ruhrwellness als beste Bärensauna, dürften auf keinerlei Widerspruch stoßen.
Die Preise für soziale Anliegen für den Stammtisch der Siegener Bären wie die Kölner LGBTI Flüchtlingshilfegruppe queer salam ebenso.Auch wir hier als BOX gratulieren herzlich!
Und die Gewinner des Abends: Mr. Bear Germany Andreas und Mr. Bear Internet Germany Heiko, beide aus Köln, rundeten das Bild des Bear Pride ab. Michael Zgonjanin sprach mit den Gewinnern.

Hallo Andreas und Heiko, erzählt uns doch als Erstes woher ihr ursprünglich seid, wo ihr jetzt lebt und was ihr macht? Und seid ihr befreundet?


Andreas: Ich bin 41 Jahre, komme ursprünglich aus Mühlheim an der Ruhr und wohne jetzt seit 5 Jahren mit meinem Freund in Köln. Ich arbeite als Krankenpfleger in der Klinik in Köln Merheim .
Meinem Freund habe ich hier in Köln auf einer Halloween Party bei Freunden kennengelernt.


Heiko: Ich bin der älteste und kleinste unter den Kandidaten (lacht). Ich bin 48 Jahre und in Mönchengladbach Rheydt groß geworden. Ich bin früher viele Jahre zwischen dort und Köln zur Arbeit gependelt. Bis ich meinen Freund kennenlernte. Wir haben uns in der Baustelle kennengelernt und sind schon kurze Zeit später zusammen gezogen und nun seit 15 Jahren zusammen.

Wie seid ihr zu zur Bärenszene gekommen?


Andreas: Weil ich ein Bär bin. Und ich Ich Stand immer auf Bären. Über Dates und Freunde bin ich nach Köln gekommen und habe dort viele Leute kennengelernt. Ich habe nicht sofort in die Stadt verguckt. Seit ich in Köln lebe, bin ich regelmäßig in der Bärenszene unterwegs. Damals vor allem noch im Cox, unter Darko.


Ich finde es toll, das es Heute wieder mehr Angebote gibt und es mit der Bärenszene in Köln aufwärts geht. Da will ich natürlich das meinige tun, dass es noch besser wird.
Heiko: Ich bin relativ kurz erst in der Bärenszene. Die Szene habe ich erst seit Mitte des Jahres kennengelernt. Ich fand Bären aber immer interessant. Ich bin Ender der 80er Jahre auf dem Weg zur Arbeit immer am Beim Pitter vorbei gekommen (damals ein beliebte Kölner Bärenkneipe, die. Red.). ich war damals noch nicht geoutet. Ich habe mich dann immer gewundert, warum da so viele nette Männer sind (lacht).


In unserer Beziehung waren wir viele Jahre nur wenig aus. Blieb mit meinem Freund Zuhause oder traf nur Freunde und Bekannte.
Ich dachte dann, so kann es nicht weiter gehen. Im letzten Jahr habe ich dann 33 Kilo abgenommen und auch meinem Dreitagebart wurde ein richtiger Vollbart. Im letzten Sommer habe ich dann die Gentle Bears Bar entdeckt – und die hat mir auf Anhieb sehr gefallen. Ich traf einige alte Bekannte und viele neue Freunde.

Warum hast du dich entschieden beim Wettbewerb mitzumachen?


Andreas: Ich hatte letztes Jahr im Backstage beim Bärenevent mitgeholfen. Das hat mir großen Spaß gemacht und ich sah, dass alle Anderen ebenfalls großen Spaß hatten. Da habe ich aber noch nicht daran gedacht, zu kandidieren.


Mitte des Jahres hat man mich dann darauf angesprochen und ich habe nach kurzer Überlegung zugesagt, habe mich gewagt.
Heiko: Was zeichnet einen Bär aus, drei Haare auf der Brust? Ich meine nicht.


Als ich gefragt wurde, ob ich mitmache habe ich auch eine Nacht überlegt. Mein Freund ist nicht in der Bärenszene und er hält sich allgemein zurück. Aber er hat mich dann direkt unterstützt.
Überredet hat man mich nicht. Ich habe ich habe nie daran geglaubt das, gewählt werden. Weil es viele Andere gab und gibt, die ich optisch mehr als Bär empfinde. Aber ich habe mir dann einen Schubs gegeben.


Ich habe mich gewundert, wie schnell einen die Leute aufnehmen (gerade über das Internet) und wie schnell man Leute kennenlernt

Wie waren die Wochen vor der Wahl für dich?


Andreas: Ich müsste Lügen, zu behaupten, mein Freund wäre von Anfang an begeistert gewesen. Aber mein ganzes Umfeld hat toll reagiert. Das hat einem auch über das stressige Internet Voting geholfen.
Man wusste ja nie, ob man den Leuten auf den Nerz geht, wenn man um ihre Stimmen bat.


Und dann natürlich die vielen bösen Kommentare. Ich kann mich nur wundern, warum Leute darauf Zeit verschwenden, wenn es sie doch angeblich gar nicht interessiert. Die Kritik war natürlich teilweise unterirdisch und da braucht man im wahrsten Sinne des Wortes ein dickes Fell. Aber das hat man als Krankenpfleger zum Glück.
Und ich wusste auch nicht, das man als Mister Bear Kandidat quasi als Freiwild angesehen wird (lacht). Aber das ist ja eher belustigend.
Im Grossem und Ganzen hat es riesigen Spass gemacht. Und die große Mehrheit der Leute hat positiv reagiert.


Heiko: Bis auf den Stress auf Facebook war es toll. Die Leute waren einfach super nett.


Was nicht schön war, wie gesagt, das es einige in der Szene gibt, die es einem nicht gönnen, Spaß zu haben. Oder die die Partnerschaft nicht respektieren. Dabei empfinde ich die Szene immer noch als einen Ort, der viel relaxter ist, als das gewöhnliche Umfeld, z.b. auf der Arbeit.


Die Bärenszene kannte ich ja so vorher nicht. Ich hatte lange Zeit einfach keine Lust auszugehen. In der Freundschaft hatte ich von 82 Kilo auf 135 Kilo zugenommen. Und ich muss ehrlich sagen, ich fand mich nicht mehr attraktiv. Nachdem ich davon wieder 35 Kilo runter hatte, begann ich wieder auszugehen und die Bärenszene hat mir da auch den notwendigen Rückenwind gegeben.
Mein Freund geniesst es, das ich noch verändert habe und er geht toll damit um.

Ihr sagtest, das Internet, gerade Facebook wäre besonders stressig gewesen? Warum?


Andreas: Heiratsanfragen, Sex-Angebote, viele Dirty Pictures … nicht zu glauben, was die Leute denken. Weil auch ich 40 Kilo abgenommen hatte, schrieb mir einer „willst du jetzt Model werden“. Ein Anderer fand mich „nicht mehr sexy“. Für Andere war ich dann wiederum „viel zu Rund“ - um es freundlich zu Sagen. Natürlich kann man kann es nicht jedem recht machen. Leider sind die Stereotypen in der Szene sind immer noch vorherrschend.


Heiko: Ja, das war echt stressig. Ich fand es auch unter aller Würde, wenn die Leute, die solche Events organisieren, mit übler Kritik überzogen wurden. Dabei sollte man die Leute loben, die sich noch engagieren. Ansonsten heißt es doch immer, es wäre zu wenig los.

Wie seid ihr den in der Szene unterwegs?


Andreas: Ich und mein Freund waren immer regelmäßig unterwegs in der Szene. Das Cox war unser Lieblingslokal. Wir waren auf vielen CSDs und Bärenevents.
Heiko: Früher war ich allgemein in der Szene unterwegs. Die Bärenszene und viele Lokale sind für mich neu. Es hat sich über die Jahre sehr viel verändert. Zum CSD waren wir nur hier in Köln, aber selten.

Was ist euer Projekt?


Andreas: Mein Projekt dreht sich um Gesundheit und gerade um den Aspekt Übergewicht, zu viel auf den Rippen zu haben. In der allgemeinen Szene ist das ja ein großer Minuspunkt, optisch, in der Bärenszene ein Pluspunkt, optisch. Aber es hat eben auch, und das weiß ich natürlich als Krankenpfleger, einen gesundheitlichen Aspekt.


Ich möchte die Leute anregen, damit bewusst umzugehen. Auch wenn es um Gewichtsabnahme, ums Abnehmen geht und um das Körpergefühl. Es geht um das Wohlfühlen und das umfasst beides, Sex und Gesundheit.


Ich werde eine Gruppe bilden, wo wir uns gegenseitig beraten und helfen. Am wahrscheinlichsten über Facebook.


Ein weiteres Anliegen ist das politische Bewusstsein zu schärfen. Gerade jetzt, wo es wieder Gruppen gibt, die uns ablehnen. Und ich finde, dass man berechtigte Kritik nicht dadurch ausdrücken sollte, populistische Parteien zu wählen. Das wird sicher im kommenden Jahr zur Bundestagswahl eine größere Rolle spielen.

 

Heiko: Ich kann mich da Andreas anschliessen. Auch bei mir steht der Gesundheitsaspekt im Vorderfund. Das Wohlfühlen und eine Umgebung zu haben, in der man sich Wohlfühlen kann.
In der allgemeinen Szene darf man weder Krank, Alt noch Fett sein – doch das macht Leute Krank. In der Bärenszene ist das zum Teil zum Glück anders. Aber auch hier muss noch einiges erreicht werden. Daran möchte ich arbeiten.


Was steht als nächstes bei euch auf dem Termin? Wo trifft man euch?


Andreas: Als nächstes werde ich bei Bärenpaddie XXL in Hamburg sein. Ich habe auch schon Einladungen nach Polen und Ungarn, aber das ist natürlich eine Zeit- und Geldfrage.
Heiko: Auch ich werde zur Bärenpaddie in Hamburg sein. Sofern es die Arbeit erlaubt, werde ich gerne zu Events fahren. Aber da schauen wir.

Was möchtet ihr noch erwähnen?


Andreas und Heiko: Es war sehr schön, das wir die ersten Minuten im Publikum standen und dann erst auf die Bühne kamen. Das gab uns ein gutes Gefühl.
Wir wollen noch Mal das ganze Orga-Team loben, die einen reibungslosen Ablauf hinbekommen haben und die uns vom Stress abschirmten.