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Wir stellen den gewälten Mr. Vice Bear Germany 2019: Daniel Buchwald vor.

Alter: 39 – Essen / Nordrhein-Westfalen
Größe: 1,80 m
Gewicht: 77 kg
Beruf: Eventmanager

Eine Grundfrage – die zu deiner Person: Woher kommst du? Wo lebst du? Was machst du?

Ich komme aus dem Ruhrgebiet, stamme auch Gelsenkirchen. Lebe und arbeite jetzt aber schon 10 Jahre in Essen. Ich arbeite in einem kulturellen Betrieb. Er nennt sich das Unperfekthaus. Es ist in erster Linie ein Museum, in dem Künstler und Kreative arbeiten und ausstellen können.
Auf der anderen Seite sind wir aber auch Hotel, Gastronomie und Tagungshaus.
Damit verdienen wir Geld, um Künstler, Kreative und Startups zu fördern.

Wie hast du zur „Bärenszene“ gefunden und was macht für dich Bärenszene aus?

Ich bin schon seit ich 17 war geoutet, das ist jetzt 22 Jahre her. Die Bärenszene war für mich immer ein Teil der Szene, nichts, was für mich fremd war. Auch wenn ich mich in meinen jungen Jahren nicht in ihr bewegt habe.


In den letzten Jahren habe ich gemerkt, dass ich immer wieder in ihr gelandet bin und in Bars und Kneipen gegangen bin, egal wo ich auf der Welt war, wo sich Bären getroffen haben. Für mich war dann ab einem gewissen Punkt klar, dass ich ein Bär bin. Von meinem Verhalten, von meinem Aussehen, das stand außer Frage.


Die Bärenszene ist für mich ein wichtiger Bestandteil der gesamten queeren Community, die eben ein anderes Bild von schwulen Männern repräsentiert. Auch wenn das nicht immer in den Medien so präsent ist und Bärenmänner nicht der dort herrschenden schwulen Norm entsprechen.

Diese Vielfalt empfinde ich als Stärke.

Wie lebt es sich in deiner Stadt, vor allem als Bear?
Braucht es denn überhaupt noch die Szene? Und gehst du selbst gerne in ihr aus?

Hier in Essen ist die Bärenszene nicht präsent. Auch ansonsten ist die Szene in den letzten 10 Jahren ziemlich geschrumpft. Das ist sehr schade, denn ich geh schon noch sehr gerne aus.

Ich finde es gut, wenn man Optionen hat und es viele Möglichkeiten in der Stadt gibt. Ich sehe nach wie vor einen großen Bedarf für die Szene. Auch wenn es sich verändert und verändern wird. Aber ich denke, es ist unausweichlich, dass es Szene geben wird: Ausgehen in Bars, in Kneipen und in Clubs. Es kann ja nicht alles nur noch virtuell laufen.

Ich definiere Szene immer auch als Community, d.h. Jugendgruppen, soziale Institutionen. Das darf nicht wegfallen, denn es gibt immer noch Leute, die Probleme mit ihrem Coming-out haben, die Probleme mit Anfeindungen und Diskriminierungen und Intoleranz haben. Es muss weiter Aufklärungsarbeit betrieben werden. Das sind Sachen, die wichtig sind.

Was hat dich bewogen, an einer Wahl zum Mr. Bear teilzunehmen?

mr bear 2019 01

Das Ganze ergab sich beim diesjährigen Cologne Pride, als wir eine ganze Zeit bei der Bärengruppe mitgelaufen sind, als ich mir Mr. Bear Germany und Mr. Bear Europe anschauen konnte. Ich fand faszinierend, was wohl dahinter stecken mag.
Es war mir zwar schon ein Begriff, ich konnte es mir aber nicht so recht vorstellen, was es am Ende bedeutet, welche Aufgaben zu erfüllen sind, oder wie man gewählt wird. Ich habe mich erkundigt und gesehen, dass es auch einen sozialen Aspekt hinter all dem gibt. Es ist eben nicht nur ein „Schönheitswettbewerb“ und das hat mein Interesse geweckt. So habe ich mich dann entschlossen, mich auch zu bewerben.

Ich habe mich ja schon früher in der Schwulenszene für soziale Anliegen engagiert. Das habe ich viele Jahre nicht gemacht und das hat mein Bedürfnis geweckt, wieder was zurück zu geben. Und in der Community mich als Bär zu zeigen und aus dem Schatten herauszutreten. Ich bin hier, ich bin engagiert und ich möchte meinen Teil dazu beitragen.

Wie hast du die Tage in Köln erlebt?

Die Tage in Köln waren Mega, turbulent, aufregend. Ich finde da noch nicht so viele passende Worte, aber es war eine wundervolle Erfahrung.
Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt und so viel tolles Feedback gehört. Eine ganz tolle Erfahrung, die jetzt erst einmal verarbeitet werden muss.

Was ich auf jeden Fall sagen kann, wie toll der Umgang zwischen den Kandidaten gewesen ist. Ich habe mich mit jedem sehr gut verstanden und konnte mich mit jedem persönlich unterhalten. Wir hatten alle schon vorher guten Kontakt und ich habe das Gefühl, das wird auch so weitergehen. Das war wirklich sehr toll.

Wie gedenkst du deine Funktion als Mr. Bear wahrzunehmen?. Wie siehst du überhaupt die Rolle der Schärpenträger?

In meiner Funktion als Mister Vice Bear Germany möchte das, was ich vorher angekündigt habe, auch umsetzen. Ich möchte ein guter Repräsentant der Bärenszene sein und die Vielfalt der Bärenszene repräsentieren. D.h. ich möchte mich auf möglichst vielen Events zeigen. Natürlich stehen die Prides da an erster Stelle, aber es können auch ganz andere Events sein.

Was mir besonders am Herzen liegt, ist das Projekt Schlau NRW zu unterstützen. Das heißt Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit in Schulen. Ich hatte keine so tolle Schulzeit. Darin sehe eine wichtige Möglichkeit, jungen Menschen zu vermitteln, wie queeres Leben sein kann. Und zu zeigen, es gibt auch Bären in dieser queeren Szene, unterschiedliche Bären. Denn das hat mir in meiner Coming-out Zeit gefehlt, dass es gute und verschiedene Rollenmodelle gab.

Bei welchem Event, wo werden wir dich als nächstes sehen können?

Einen Eventplan habe ich noch nicht. Ich hatte aber auf jeden Fall vor beim Kölner CSD dabei zu sein. Ich will auf jeden Fall zum Euro Pride nach Wien. Das hatte ich so oder so schon eingeplant.
Dann auf den Pride nach Zagreb, in der Heimatstadt meines Freundes, wo ich in diesem Jahr schon war und ihn dort unterstützen. Das ist noch ein Pride, der in den Kinderschuhen steckt. Die einen anderen Umgang aufgrund der dortigen politischen Situation und gesellschaftlichen Akzeptanz erfordern.

Ich möchte gerne bei weiteren Prides in Deutschland dabei sein, wie dem RuhrPride hier in Essen. Ob ich dann noch Berlin, Hamburg, Bremen und andere Prides einplanen kann, muss ich noch sehen.